Ein Gotti und einen Götti für unser Kind – auch wenn wir es nicht taufen lassen?

Die Paten im Sinne der Kirchen stehen den Eltern bei der christlichen Erziehung zur Seite. So gesehen brauchen die Eltern keinen Götti und kein Gotti für ihr Kind zu suchen, wenn sie statt einer kirchlichen Taufe eine freie Namensgebung oder eine Willkommensfeier gestalten wollen.

Warum bestärke ich als freie Zeremonienleiterin die Eltern dennoch darin, ein Gotti und einen Götti für ihr Kind zu wählen? Zusammengefasst könnte man sagen, dass ich gerne «Tiefe» mag.

Der Prozess, den eine Wahl für eine Patentante, einen Patenonkel mit sich bringt, ist nämlich gar kein so einfacher: Die Eltern überlegen sich, welche Personen aus ihrem Umfeld bereichernd sein könnten für das Leben ihres Kindes und mit wem sie eine ans Kind gebundene Verbindung eingehen wollen. Es lohnt sich, bei der Anfrage an die betreffenden Personen auch Erwartungen zu klären, die Patenschaft quasi miteinander zu definieren. Da soll auch geäussert werden dürfen, was das Gotti oder der Götti nicht möchte. Aussagen wie «Ich möchte kein Geschenkelieferant sein.» oder «Ich kann nicht zu jeder Musik- oder Schulaufführung oder zu jedem Match kommen.» dürfen ebenso Platz finden, wie die Babysitter- oder die Ferienfrage. Wenn diese Grundlage geschaffen ist, dann gibt es nichts Schöneres als zu beobachten, dass das Kind seinem Gotti und seinem Götti Vertrauen schenkt, Wert auf die Meinung der Patin legt, dem Paten besondere Aufmerksamkeit widmet – So entsteht eine echte Beziehung mit Tiefe, die für beide Seiten ein Gewinn sein kann.

In der Willkommensfeier dürfen die Paten dann einen so prominenten Platz erhalten, wie es ihnen beliebt. Es gibt Eltern, die möchten ihre Wahl allen Anwesenden mitteilen und begründen. Es gibt Paten, die möchten «Ja» sagen zu dieser Aufgabe im gegebenen Rahmen. Es gibt Gottis, die ihrem Schützling persönliche Worte mit auf den Weg geben. Es gibt Göttis, die ein Lied für ihr Patenkind vortragen, es gibt Patentanten, die das Kind bei der Namensgebung halten, es gibt Göttis, die ihrem Schützling ein Schmuckstück schenken. Das können alles Wege sein, die Paten einzubinden.

Wichtig finde ich, die Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, dass sie dieses wunderschöne Amt angenommen haben und dass es einen Moment in der Gemeinschaft des Kindes gibt, in welchem seine gewählten Begleiter offiziell genannt oder bestätigt werden.

Anita Lusti

Anita Lusti

Zeremonita